Wenn aus einem Zuhause zwei werden: Wie wir Kinder bei einer Trennung liebevoll begleiten

Eine Elterntrennung gehört zu den einschneidendsten Lebensereignissen – nicht nur für uns Erwachsene, sondern ganz besonders für unsere Kinder. Die vertraute Welt gerät aus den Fugen, Fragen tauchen auf, und oft breitet sich eine leise Unsicherheit aus.

In meiner täglichen Praxis als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche sowie als Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin begegne ich immer wieder denselben Fragen von Eltern: „Wie erklären wir es unserem Kind die Trennung/ Scheidung, ohne ihm den Boden unter den Füßen wegzuziehen?“ und „Wie nehmen wir ihm die Angst?“

Genau aus diesem Herzensanliegen heraus ist mein neues Kinder- und Mitmachbuch „Elli Eichhörnchen und die zwei Nester“ (Band 1 der Reihe Die Therapiebärin) entstanden.

Warum Kinder bei Trennungen oft Schuldgefühle entwickeln

In bestimmten Entwicklungsphasen denken Kinder magisch-egozentrisch: Sie beziehen Veränderungen in ihrer Umwelt automatisch auf sich selbst. Wenn Eltern streiten oder ein Elternteil auszieht, entsteht im Kopf des Kindes oft der leise Gedanke: „Habe ich zu laut gespielt? Bin ich schuld, dass Papa geht?“

Fachliche Orientierungspunkte für Eltern und Pädagog:innen

Neben der Geschichte für Kinder enthält das Buch einen fachlichen Ratgeber für Eltern und Fachkräfte. Hier sind drei zentrale Grundsätze aus der psychotherapeutischen Praxis:

  1. Aktive und wiederholte Entlastung von Schuldgefühlen: Sagt eurer Tochter oder eurem Sohn explizit und regelmäßig: „Du hast absolut keine Schuld an unserer Trennung. Das ist eine Entscheidung zwischen uns Erwachsenen – unsere Liebe zu dir bleibt unumstößlich bestehen.“

  2. Verlässlichkeit & Übergangsrituale schaffen: Feste Alltagsroutinen geben Sicherheit. Kleine Anker – wie der im Buch beschriebene Zwei-Herzen-Stein – helfen dem Kind, eine emotionale Brücke zwischen den zwei Haushalten zu schlagen.

  3. Keine Paarebene auf dem Rücken des Kindes: Ermöglicht eurem Kind, beide Elternteile frei und ohne Loyalitätskonflikte zu lieben. Kinder brauchen die emotionale Erlaubnis der Eltern, sich an beiden Orten rundum wohlzufühlen.

5 Herzensbitten eines Kindes an seine Eltern

Wenn Kinder ihre Wünsche in Trennungssituationen formulieren könnten, würden sie Eltern oft folgendes mit auf den Weg geben:

  1. „Zieht mich nicht in euren Konflikt“: Klärt Organisatorisches direkt untereinander. Schlechte Worte über den anderen Elternteil verletzen das Kind tief in seiner eigenen Identität.

  2. „Erleichtert mir den Wechsel“: Gestaltet Übergaben friedlich. Ein wertschätzender Abschied gibt Sicherheit.

  3. „Schenkt mir Präsenz statt Geschenke“: Gegen Trennungsschmerz helfen keine materiellen Dinge, sondern echte Zuwendung, Ruhe und Verlässlichkeit.

  4. „Lasst meine Wurzeln heil“: Bewahrt Vertrautes – von Freunden über Hobbys bis hin zum Kontakt zu Oma und Opa.

  5. „Traut uns eine gute Zukunft zu“: Die Partnerschaft mag enden, aber die Elternschaft bleibt ein Leben lang.

Gemeinsam lesen, fühlen und gestalten

„Elli Eichhörnchen und die zwei Nester“ versteht sich als Türöffner für sensible Gespräche. Neben der Geschichte und dem Elternratgeber bietet die integrierte Mut- & Mitmach-Ecke konkrete Übungen.

Buchdetails auf einen Blick

  • Titel: Die Therapiebärin – Band 1: Elli Eichhörnchen und die zwei Nester

  • Autorin: Mag. Barbara Lagger

  • Herausgeber: KOB Liebmann Lagger OG

  • Erhältlich: Über Amazon KDP ab November 2026